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Rentabilität und Margen

Lieferantenengpässe: vorausplanen und reagieren

Ein Butter- oder Mehlmangel kann eine ganze Produktionswoche durcheinanderbringen. Sicherheitsbestand berechnen, Lieferanten diversifizieren, Notfälle meistern.

6 Min. Lesezeit
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Was ein Lieferengpass wirklich kostet

Ein Lieferengpass ist nicht nur ein betriebliches Ärgernis. Er hat direkte und manchmal dauerhafte finanzielle Folgen:

  • Entgangene Umsätze: Ein Produkt, das in der Auslage fehlt, wird nicht verkauft. Anders als im sonstigen Einzelhandel kann eine Bäckerei den Verkauf nicht auf morgen verschieben — der Kunde kauft woanders.
  • Produktionsstörung: Ein Zutat in letzter Minute zu ersetzen bringt Rezepturen durcheinander, verursacht Ausschuss und demotiviert das Team.
  • Imageschaden: Ein Kunde, der regelmäßig ein leeres Regal oder ein „nicht verfügbar"-Schild vorfindet, zieht Rückschlüsse auf die Zuverlässigkeit des Betriebs.

In der handwerklichen Bäckerei haben Schlüsselzutaten (Butter, Mehl, Kuvertüre) keinen direkten Ersatz: Ein Engpass lässt sich nicht einfach substituieren.

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Die am stärksten engpassgefährdeten Zutaten

Nicht alle Zutaten tragen das gleiche Risiko. Hier die anfälligsten und warum:

  • Butter und Milchprodukte: saisonalen Schwankungen unterworfen (geringere Produktion im Winter) und von klimabedingten Auswirkungen auf die Viehwirtschaft betroffen.
  • Kuvertüre: abhängig von langen Lieferketten (Kakao aus Afrika oder Südamerika), anfällig für geopolitische Spannungen und Wetterbedingungen.
  • Spezialmehle (Dinkel, Roggen, Buchweizen): begrenzte Produktionsmengen, häufig nur ein oder zwei verfügbare Lieferanten pro Region.
  • Obst und Saisonware: Verfügbarkeit direkt abhängig von Ernten, Unwettern und Lieferfristen.
  • Verpackungen und Verbrauchsmaterial: häufig vernachlässigt, können Verkauf oder Auslieferung blockieren, wenn der Vorrat aufgebraucht ist.
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Einen Sicherheitsbestand aufbauen, ohne Liquidität zu binden

Ein Sicherheitsbestand ist keine improvisierte Notreserve. Es ist eine berechnete Menge, die regelmäßig erneuert wird und die Nachlieferzeit im Problemfall abdeckt.

Die Methode:

  1. Berechnen Sie Ihren Wochenverbrauch jeder kritischen Zutat.
  2. Ermitteln Sie die durchschnittliche Lieferzeit Ihres Lieferanten (in Tagen).
  3. Mindestsicherheitsbestand = Wochenverbrauch × (Lieferzeit + 1 Woche Puffer).

Beispiel: Sie verbrauchen 20 kg Kuvertüre pro Woche. Ihr Lieferant liefert in 5 Werktagen. Sicherheitsbestand = 20 × 2 = 40 kg stets in Reserve, bevor Sie bestellen.

Dieser Bestand muss rotieren (FIFO: Ältestes wird zuerst verbraucht), um Schwund und Haltbarkeitsprobleme zu vermeiden.

Gut zu wissen

LogiBake überwacht den Bestand jeder Zutat und kann Sie warnen, wenn Sie sich dem Sicherheitspegel nähern. In Kombination mit der Chargenrückverfolgbarkeit haben Sie einen vollständigen Überblick über Ihre Lieferkette.

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Die Multi-Lieferanten-Strategie: sich einen Sicherheitspuffer schaffen

Bei kritischen Zutaten (solchen, deren Fehlen die Produktion stoppen würde) ist die Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten ein strukturelles Risiko.

Zwei ergänzende Ansätze:

  • Hauptlieferant + Ersatzlieferant: Der Ersatzlieferant wird ein- bis zweimal jährlich kontaktiert, um die Geschäftsbeziehung aufrechtzuerhalten und die Verfügbarkeit zu prüfen. Im Engpassfall können Sie schnell umsteuern.
  • Kanaldiversifizierung: Ihr gewohnter Großhändler + ein regionaler Direktbezug (Mühle, Molkerei). Direktbezug ist bei kleinen Mengen oft reaktionsschneller und weniger anfällig für Engpässe der Großhandelslogistik.

Das Ziel ist nicht, Lieferanten um ihrer selbst willen zu vervielfachen, sondern für jede kritische Zutat eine funktionsfähige Lösung zu haben.

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Einen Engpass bewältigen, wenn er eintritt

Trotz aller Vorsorge kann ein Engpass eintreten. So gehen Sie ohne Panik damit um:

  1. Bewerten Sie die unmittelbaren Auswirkungen: Welche Rezepturen sind blockiert? Wie viele Produktionstage sind betroffen? Welche Produkte können weitergeführt werden?
  2. Aktivieren Sie Ihren Ersatzlieferanten oder identifizieren Sie eine Alternativquelle (Fachgroßhändler, Allgemeingroßhändler) für eine kleine Überbrückungsmenge.
  3. Passen Sie Ihr Sortiment vorübergehend an: Einige Referenzen für wenige Tage zu streichen ist weniger schlimm, als ein qualitativ minderwertiges Produkt anzubieten.
  4. Kommunizieren Sie einfach mit Ihren Kunden: „[Produkt] ist vorübergehend nicht verfügbar." Eine ehrliche Erklärung wird immer besser aufgenommen als ein leeres Regal ohne Erklärung.

Die Bäckereien, die Engpässe ohne Krise bewältigen, sind diejenigen, die vorgesorgt hatten: Sicherheitsbestand aufgebaut, Ersatzlieferant identifiziert, Team an Sortimentsanpassung gewöhnt.

Fazit

Eine Bäckerei, die Lieferengpässe ohne Krise bewältigt, hatte kein Glück — sie war vorbereitet. Berechneter Sicherheitsbestand, im Voraus identifizierter Ersatzlieferant, Team, das daran gewöhnt ist, das Sortiment anzupassen: Das sind Entscheidungen, die man in ruhigen Zeiten trifft, nicht wenn der Bestand auf Null ist.

LogiBake ersetzt nicht Ihr Können.

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